Aktuell

Auf den Spuren von Carl Schurz durch Liblar

 

„Ich bin in einer Burg geboren. Dies bedeutet jedoch keineswegs, daß ich von einem adligen Geschlecht abgestammt sei.“ Mit diesem charakteristischen Satz aus den Lebenserinnerungen von Carl Schurz leitete Dr. Bartsch die Führung am 18.6.2016 durch das Liblar von Carl Schurz ein. Die erste Station war das Geburtshaus, die Vorburg von Schloss Gracht, wo die ca. 100 Teilnehmer der Führung einen Blick auf und in den Seitenflügel werfen konnten, mit Küche und Essraum für die Familie Jüssen / Schurz sowie die Hausangestellten. Die Ställe für Pferde bzw. Kühe waren als solche heute nur an der Raumaufteilung wiederzuerkennen.

 

Vorbei am Schurz Denkmal, das nach Umsetzungen an verschiedene Standorte immer schlichter und niedriger geworden ist, ging es nach St. Alban wo er getauft wurde und noch mehrere Kunstwerke aus jener Zeit erhalten geblieben sind.

 

Am Clarissenkloster, dem ehemaligen Haus Winterschladen, erläuterte Dr. Bartsch die frühere Bebauung Liblars. Winterschladen war ein Schul- und Studienkamerad, den Schurz bei einem späteren Deutschlandaufenthalt in seinem neu gebauten Anwesen besuchte.

 

Die Exkursion endete an der Buchhandlung Pier, dem Standort des Wohnhauses der Familie Schurz, in dem Christinan Schurz zunächst eine Schule und später eine Eisenwarenhandlung betrieb. Nach dem Abriss des Hauses war hier der erste Standort des Carl-Schurz-Denkmals.

 

 

Bronzebüste von Carl Schurz vor Schloss Gracht (Künstler Heinz Geier, 1929 (Foto Depka)
Bronzebüste von Carl Schurz vor Schloss Gracht (Künstler Heinz Geier, 1929 (Foto Depka)

Das Schwerpunktthema des Jahresprogramms 2016 lautet:

 

„Liblar, Carl Schurz und die Revolution von 1848"

 

Die wohl bedeutendste mit Erftstadt verknüpfte Persönlichkeit ist der im Jahr 1829 in Liblar geborene Carl Schurz. Er spielte eine herausragende Rolle in der Revolution von 1848/49, die einen Markstein in der Entwicklung der deutschen Geschichte bildet. Schurz führte eine spektakuläre Befreiung seines Weggefährten Gottfried Kinkel aus dem Zuchthaus Spandau durch, wanderte nach Amerika aus und arbeitete in den USA als Rechtsanwalt und Publizist. Im Sezessionskrieg führte er als Offizier, schließlich als Generalmajor, Truppen der siegreichen Nordstaaten. In der Innenpolitik der USA spielte er als Innenminister, Senator und Berater des Präsidenten eine wichtige Rolle. Er setzte sich ein für die indianische Urbevölkerung, kämpfte gegen die Sklaverei, engagierte sich im Umweltschutz und wandte sich gegen den Imperialismus. Im Gegensatz zu den Ver-einigten Staaten erhielt diese bedeutende und vielseitige Persön-lichkeit in Deutschland nie die ganze Aufmerksamkeit, die sie verdient.

 

Das Jahresprogramm stellt Schurz in den Zusammenhang der Revolution von 1848 im Rheinland. Es sucht mit Vorträgen und Führungen am Beispiel von Weggefährten und Zeitgenossen, die in unterschiedlicher Weise an dieser Revolution beteiligt waren, wichtige Aspekte dieser spannungsvollen Entwicklung des Rheinlandes und unserer Region aufzugreifen und zu veranschaulichen.

 

Geschichtsverein für die Erhaltung der Ein-Mann-Bunker in Liblar

Im Oktober 2015 wurden im Bereich zwischen Carl-Schurz-Straße, Bliesheimer Straße und Grachtstraße bei Rodungsarbeiten für ein Baugebiet drei sogenannte Ein-Mann-Bunker (auch Splitterschutzzellen oder Einzelunterstände genannt) entdeckt. Sie standen in den Gartenbereichen der Häuser in der Carl-Schurz-Straße. Zwei der Bunker waren rd. 1,2 m in den Boden eingelassen und der Eingang in späterer Zeit zugeschüttet. Ein Bunker stand auf der Geländeoberfläche und war zugänglich.

Bei den Bunkern handelt es sich um ca. 2 m hohe glockenförmige Betonkuppeln mit einer etwa ein Meter hohen Eingangstür auf der Vorderseite und einem kleinen Notausgang auf der Rückseite. Im oberen Bereich befinden sich vier schmale Sehschlitze. Innen besitzen sie rechts und links jeweils ein  Sitzbänkchen für eine Person.

Die Einmannbunker dienten dem Schutz von Einzelpersonen im Außenbereich, die kurzfristig Deckung suchen mussten.

Am 19.1.2016 wurden die Bunker ausgegraben und nach über 50 Jahren erstmals wieder geöffnet. Überraschendes trat dabei allerdings nicht zutage. Mittels eines schweren Baggers wurden alle drei Bunker vorübergehend an den Rand des Baugebietes versetzt.

Der Geschichtsverein setzt sich dafür ein, diese in unserm Bereich einmaligen Relikte und Dokumente des 2. Weltkrieges an Ort und Stelle zu erhalten, zumal es in unmittelbarer Nähe dieser Bunker Bombenabwürfe gab, bei denen Häuser zerstört und Menschen getötet wurden. Sie sollen als Mahnmal an die Schrecken des 2. Weltkrieges erinnern und die räumliche Betroffenheit unseres Umfeldes dokumentieren.

Erftstädter Totenzettelsammlung ergänzt

 

Totenzettel aus dem Raum Erftstadt werden vom Geschichtsverein laufend erfasst, d.h. die Grunddaten werden erfasst und die Zettel selbst eingescannt und anschließend im Internet bereitgestellt. Zum Jahresende 2015 wurden knapp 500 weitere Exemplare aufgenommen, sodass nun rd. 1100 Totenzettel aus dem Raum Erftstadt eingesehen werden können. Eine alphabetische Liste ist auf unserer Homepage abgelegt. Die einzelnen Totenzettel können unter http://www.rhein-erft-geschichte.de aufgerufen werden. Hier sind insgesamt 37400 Totenzettel aus dem Rhein-Erft-Kreis erfasst.

Sollten bei Ihnen noch Totenzettel in einer Schublade schlummern, stellen Sie sie dem Geschichtsverein ggf. auch leihweise zur Erfassung zu Verfügung.

Do 30.6.2016

19.00 Uhr, Vortrag

Prof. Dr. Hermann Rösch

 

Gottfried Kinkel, der Weggefährte von Carl Schurz

 

Ort: Liblar,

Schloss Gracht,  ESMT

Do 1.9.2016

19.00 Uhr, Vortrag

Dr. Reinhold Weitz

 

Von "Demokraten und Communisten"- Die Revolutionsjahre in und um Euskirchen

 

Ort: Lechenich,

Restaurand / Hotel    "La Chacra",

Herriger Str17

Weitere Veranstaltungen zum Thema:

 

10.4.-25.9.2016

Vom Streben nach Glück

200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika

Ort: LWL Ziegeleimuseum Lage