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Veranstaltungsprogramm 2010
Das Schwerpunktthema des diesjährigen Jahresprogramms lautet: „Der Zweite Weltkrieg im Gebiet der Stadt Erftstadt“. Die Geschichte Erftstadts im Zweiten Weltkrieg ist bisher erst in Ansätzen und im Rahmen von Einzelbeiträgen wissenschaftlich untersucht worden. Im Gegensatz zu der benachbarten Großstadt Köln war das Gebiet der Erftstadt nicht unmittelbares Ziel der großen Bombenangriffe, wenngleich es durch die dauernden Alarme, durch die Angriffe auf Köln und auf die Braunkohlenindustrie sowie durch Flugzeugabstürze mit betroffen war. Eine wichtige Rolle spielte es indessen in der Schlussphase des Krieges, als es im Rahmen des Vormarsches auf den Rhein und der Eroberung Kölns Aufmarschgebiet für die alliierten Truppen wurde und die deutsche Wehrmacht sich in letzten Anstrengungen dem Vormarsch entgegen stellte.
Soldaten der US First Army in Bliesheim (Anfang 1945)
Die Veranstaltungen des Geschichtsvereins suchen wichtige Aspekte dieses Themas ins Bewusstsein zu heben. Der Euskirchener Historiker Hans-Dieter Arntz gibt einen Überblick über die militärische Entwicklung in den letzten Kriegsmonaten und das Schicksal der Bevölkerung in den letzten Kriegsmonaten in der Voreifel. Der Autor Achim Konejung und der Regisseur Aribert Weis haben die mörderische Schlacht im Hürtgenwald, Teil der Eroberung des linken Rheinufers, in Form eines Filmes mit Originaldokumenten und Zeitzeugenberichten eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Spuren dieser Schlacht sind heute noch in den Wäldern um Hürtgenwald erlebbar. Der Blessemer Historiker Albert Esser schildert am Beispiel seines Heimatortes die militärische Lage bei Kriegsende und die konkrete Situation der verbliebenen Bevölkerung. Eine Reihe von weiteren Veranstaltungen dienen der Vertiefung des Themas. Im Rahmen einer Exkursion sollen Teile des Westwalls besucht werden, für den zahlreiche junge Männer aus unserem Raum zu Befestigungs- und Schanzarbeiten verpflichtet wurden. Überdies wird eine Einführung in das erst neu entwickelte Arbeitsgebiet Bodendenkmalpflege und Krieg gegeben. Mehr eine Sonderveranstaltung ist der Besuch der „Ordensburg“ Vogelsang, die über Jahrzehnte als militärisch genutztes Gelände unzugänglich war.
Vorträge
Do 11. März Hans-Dieter Arntz
Kriegsende 1944/45 in der Voreifel
Nach mehr als sechs Jahrzehnten verblasst die Erinnerung an den 2. Weltkrieg und das Kriegsende 1944/45. Umso wichtiger ist heutzutage die Darstellung der Not, in der sich die damals in der Voreifel zurückgebliebene Bevölkerung befand. Mit der erfolgreichen Abwehr der Ardennen-Offensive - ab dem 16. Dezember 1944 - und dem danach folgenden Vormarsch in das Rheinland beginnt für die amerikanischen Truppen die Schlussphase des Krieges im Westen. Diese Epoche stellt der Euskirchener Historiker und Buchautor Hans-Dieter Arntz dar. Seit etwa 20 Jahren beschäftigt er sich mit den letzten Monaten des 2. Weltkrieges im Raum der Ardennen bis zum Rhein. Aussagekräftige Lichtbilder konzentrieren sich auf den Bereich Mechernich, Münstereifel, Euskirchen, Zülpich, Weilerswist und Brühl. Hier war die letzte Bastion vor der später berühmten Brücke von Remagen. Auch in seiner neuen Dokumentation „ Kriegsende – Durch die Voreifel zum Rhein“ aus dem Jahre 2007 befasst sich der Autor einleitend mit dem operativen Beginn dieser Phase, verzichtet dann aber bewusst auf die Darstellung weiterer militärstrategischer Operationen und wendet sich exemplarischen und persönlichen Schicksalen zu. In dieser Form gestaltet er auch seinen Vortrag. Die Auswertung vieler Augenzeugen-Berichte sowie das Fotomaterial aus deutschen und ausländischen Archiven vermitteln einen Überblick auf das Kriegsende 1944/45 in unserer Region.
Ort: Kierdorf, Gaststätte „Haus Roggendorf“, Wiesenstr. 47 Zeit: 19.00 Uhr
Do 08.Juli Albert Esser
Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Blessem
Wie war das damals, als vor 65 Jahren am 3. März amerikanische Soldaten Blessem einnahmen? Schon Wochen vorher kündigte sich das Herannahen der Westfront in Blessem an: · Der Geschützdonner wurde von Tag zu Tag lauter. · Tiefflieger schossen tagsüber auf alles, was ihnen verdächtig vorkam. · Der Hauptverbandplatz, der lange Zeit im Kloster- und Marienhospital Frauenthal lag, zog sich zurück und stattdessen richtete sich ein Frontlazarett dort ein. · Das Dorf war übervölkert mit einquartierten deutschen Soldaten, mit Flüchtlingen aus dem Westen und fliegergeschädigten Familienangehörigen. Während sich die einquartierten Soldaten nach Köln zurückzogen, folgte eine Pioniereinheit, um die Brücken zu sprengen. In der Nacht zum 2. März zogen sich die deutschen Frontsoldaten, von Lechenich kommend, nach Blessem zurück. Sie setzten sich ohne nennenswerten Widerstand in der folgenden Nacht nach Liblar ab, als die amerikanischen Soldaten Blessem einnahmen. Während des 3. März wurden fast alle Bewohner von den amerikanischen Soldaten aus ihren Bunkern und Kellern geholt und in die Burg Blessem gebracht. Erst nach Einsetzung des Pfarrrektors Jägers als kommissarischer Bürgermeister, durften am kommenden Tag alle Dorfbewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren. Albert Esser ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen zur Geschichte Erftstadts und speziell Blessems.
Ort: Blessem, Landgasthof „Blessemer Eck“, Frauenthaler Str. 109 Zeit: 19.00 Uhr
Do 18. Nov. YOU ENTER GERMANY Hürtgenwald und der lange Krieg am Westwall Dokumentarfilm, 107 Minuten, Deutschland 2007.
Die Kämpfe im Hürtgenwald und entlang des Westwalls von 1944 bis 1945 gehören zu den letzten großen Mythen des Zweiten Weltkriegs. Von der "längsten Schlacht auf deutschem Boden" ist die Rede, vom "Verdun in der Eifel“ von der größten amerikanischen Niederlage in Europa. Zum ersten Mal seit den Kämpfen vor über sechzig Jahren hatte sich 2005 das Filmteam um Autor Achim Konejung und Regisseur Aribert Weis die Aufgabe gestellt, den Mythen und Legenden auf den Grund zu gehen und die wahren Hintergründe dieser "vergessenen Schlacht" zu erforschen. Nach jahrelangen Recherchen gelang es, einige der noch lebenden Veteranen in Deutschland und den Vereinigten Staaten zu interviewen. Bisher nie gezeigte Film- Aufnahmen aus den US National Archives sowie aus privaten Archiven sind eindrücklich Zeugnisse des Krieges, dessen Spuren noch heute in den Wäldern sichtbar sind. Die eindrucksvollen Interviews mit Zeitzeugen wie dem berühmten Fotografen Tony Vaccaro oder dem späteren Princeton Professor und deutschem Emigranten Werner "Tom" Angress bringen die Sinnlosigkeit und Brutalität des Krieges zum Ausdruck.
Ort: Jugendzentrum Köttingen, Kino; Köttingen, Kirchplatz 3 Zeit: 19 Uhr
Führungen
Sa 17. April Der Westwall: Hitlers Grenzverteidigung im Westen
Führung durch Wolfgang Wegener
Die ursprünglich von der Wehrmacht ab 1936 geplanten Westbefestigungen an der französischen Grenze nahmen ab 1938 einen rasanten Verlauf, als Adolf Hitler am 28. Mai 1938 den beschleunigten Ausbau befahl. Innerhalb eines halben Jahres sollten bis zum 1.Oktober 1938 an der deutschen Grenze von Brüggen (Kreis Viersen) bis zur Schweizer Grenze bei Basel 11.800 Bunker und Panzersperren errichtet werden. Bis zum Mai 1940 erfolgte ein weiterer Aus- und Umbau der jetzt Westwall genannten Befestigungen. Bei der Exkursion sollen die im Limesprogramm 1938 erbauten Bunker am Buhlert bei Simmerath vorgestellt werden, sowie der Sanitätsbunker in Hürtgenwald Simonskall. Die Panzersperren bei Simmerath-Paustenbach zeigen auch heute noch eindrucksvoll, wie man sich seinerzeit die Panzerabwehr vorgestellt hat. Die Schlachtfelder bei Hürtgenwald sind immer noch ein bemerkenswertes Zeugnis der Kämpfe aus dem November 1944. Wolfgang Wegener ist Referent Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland, hat sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt und darüber auch publiziert.
Treffpunkte: Liblar, Bahnhofstraße/Kreissparkasse 9.15 Uhr Lechenich, Schützenplatz 9.30 Uhr Kosten: Fahrt, einschließlich Führung 15,- € (Nichtmitglieder 20,- €) Rückkehr: gegen 16.30 Uhr (Anmeldung über Herrn Othengrafen Tel, 409-314))
Sa 04. Sept. Die „Ordensburg“ Vogelsang
Führung durch Dr. Monika Herzog
Die in den Jahren 1934 bis 1941 oberhalb des Urftsees in der Eifel errichtete ehemalige Ordensburg Vogelsang durchläuft seit der 2005 erfolgten Aufgabe als Truppenübungsplatz eine einzigartige und faszinierende Entwicklung und Umwidmung als Bildungsort für Geschichte und Natur. Von den nationalsozialistischen Machthabern als Ausbildungsstätte für den politischen Führungsnachwuchs konzipiert ist Vogelsang eine nicht zu Ende gebaute Architekturanlage, die aber dennoch als einziges erhaltenes Landschaftsdenkmal des Dritten Reiches auf äußerst anschauliche Art und Weise den Herrschaftsgedanken und die Ideologien der Partei vor Augen führen kann. Im Rahmen der Führung soll die Geschichte und Entwicklung Vogelsangs anhand der Bauwerke vorgestellt werden sowie die Herangehensweise, die das „Gefährdungspotential“ des Ortes heute im Zuge der Umnutzung erfordert. Dr. Monika Herzog ist Kunsthistorikerin und als Mitarbeiterin des Landschaftsverbandes Rheinland – Amt für Denkmalpflege im Rheinland für Vogelsang zuständig.
Ort: „Burg Vogelsang“; Anfahrt mit dem Auto über B 266 aus Richtung Einruhr oder Gemünd; Fahrtgemeinschaften empfehlenswert (evl. Nachfrage bei Herrn Othengrafen Tel. 409-314) Treffpunkt: Vogelsang, „Adlerhof“ Zeit: 15 Uhr
Besuche von Institutionen
Sa 12. Juni Rheinisches Bildarchiv
Das Rheinische Bildarchiv ist eine Abteilung der Kunst- und Museumsbibliothek und mit seinen über 800.000 analogen und digitalen Fotonegativen eines der vier größten öffentlichen Fotoarchive in Deutschland. Der Schwerpunkt der Fotobestände liegt auf der foto-grafische Dokumentation von Kunstwerken mit eigenen Fotografen und die Übernahme von entsprechenden externen Fotonegativbeständen. Zur fotografischen Dokumentation der Architekturgeschichte Kölns und des Rheinlandes verfügt das Bildarchiv über einen umfangreichen Bestand historischer Aufnahmen, die mit den Fotobeständen des Kölner Stadtkonservators regelmäßig ergänzt werden. Darüber hinaus baut die Einrichtung ein Archiv des Gedenkens an die NS-Zeit im Rheinland auf, das fotografisch die unterschiedlichen Formen des Gedenkens an die NS-Zeit, insbesondere auch die Kriegsopfer, dokumentiert, auch für den Rhein-Erft-Kreis.Frau Dr. Gummlich-Wagner ist Abteilungsleiterin des Rheinischen Bildarchivs in der Kunst- und Museumsbibliothek und wird speziell die verschiedenen Möglichkeiten der Recherche nach Fotos vorstellen.
Ort: Lesesaal der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln, An der Rechtschule, 50667 Köln Zeit: 11.15 Uhr
Do 30. Sept. Wolfgang Wegener Bodendenkmalpflege und Krieg Dass sich die archäologische Forschung, oder besser gesagt die staatliche Bodendenkmalpflege, mit den Zeugnissen der Zeitgeschichte beschäftigen, liegt in den Denkmalschutzgesetzen der einzelnen Bundesländer begründet. In NRW sieht das Gesetz keine zeitliche Begrenzung für archäologische Denkmäler vor, entscheidend ist die Abgeschlossenheit einer Epoche und die Erfassungsmöglichkeit erhaltener Strukturen und Funde mit archäologischen Mitteln. Wie sieht solch eine Erfassung aus? Was für Methoden und Hilfsmittel werden angewandt? Was gibt es für Leitfunde? Wie führe ich die Dokumentation von Funden und Befunden durch? Welche Interpretationen lassen die erhaltenen Befunde zu? Alles dies sind Fragen die in einem kurzen Vortrag, dann aber vor allem an praktischen Beispielen, Funden und Archivmaterial vorgestellt werden sollen. Zur Zeit gibt es einzelne Projekte in denen der LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland auf die aktive Mitarbeit noch lebender Zeitzeugen angewiesen ist. Auch darüber ist zu berichten.
Ort: Hotel-Restaurant „Zur alten Post“ Lechenisch, Herriger Str.17 Zeit: 19:00
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